Hast du ein höheres Ziel?

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Work-Life-Blending: Fluch oder Segen?

Wenn Sie ein höheres Ziel verfolgen, kann Work-Life-Blending für Sie ein Segen sein. Lesen Sie hier, wie Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen die Vermischung von Beruf- und Privatleben gekonnt hinbekommen.

Für die einen ist Work-Life-Blending ein Segen, um Arbeit und Privatleben besser miteinander in Einklang zu bringen. Eltern können mit Work-Life-Blending berufliche Herausforderungen und familiäre Interessen besser unter einen Hut bringen, wenn sie mehr Freiheiten haben, wann, wo und wie sie arbeiten. Kann Work-Life-Blending gelebt werden, gibt es in der Frage nach Kind oder Karriere kein Entweder-Oder mehr: Beides ist möglich. Ein Segen!

Für die anderen ist Work-Life-Blending nur ein anderer Ausdruck für Selbstausbeutung: Feierabend adé! Jetzt ruft der Chef auch noch im Urlaub an. Ist Entspannung ohnehin schwierig geworden, so wird sie mit einer Vermischung von Beruf und Privatem für viele völlig unmöglich gemacht. So schrieb das Manager Magazin im Herbst vergangenen Jahres über Work-Life-Blending: „Die Mär von der Freiheit: Büro war gestern, mit hochflexiblen Joblösungen werden Angestellte zu Mini-Entrepreneuren. Doch viel zu oft gerät die Autonomie zur Selbstausbeutung: das Leben als Mogelpackung.“ Ein Fluch!

Eine kürzlich erschienene Studie des Rheingold-Instituts zur Berufstätigkeit von Müttern und deren Doppelbelastung durch Arbeit und Haushalt, fasste Jakob Hein, Schriftsteller und ehemaliger Väterbeauftragte der Charité, so zusammen: „In Deutschland gehen Männer und Frauen als modernes Paar in den Kreißsaal hinein und kommen als 50er-Jahre-Paar wieder heraus.“

Kurz darauf titelt Spiegel-Online: „Cappuccino-Mütter sind eine Gefahr für die Gleichstellung“ und zitiert Frauenforscherin Barbara Stiegler. Sie machten dieselbe klassische Arbeitsteilung wie ihre Mütter, sagen aber, sie hätten sich das selbst ausgesucht. „Das würde ich als Rollback bezeichnen, wenn Frauen dies als Selbstbestimmung definieren, anstatt auf die Strukturen zu gucken, die dazu führen“, so Stiegler.

Work-Life-Blending könnte diese Strukturen aufbrechen und es mehr Eltern ermöglichen, Beruf und Familie miteinander zu verbinden.

Ein Segen ist Work-Life-Blending dann, wenn diese drei Voraussetzung erfüllt sind:
1. Das Unternehmen hat ein höheres Ziel.
2. Der Mitarbeiter hat ein höheres Ziel.
3. Unternehmen und Mitarbeiter teilen die jeweiligen höheren Ziele miteinander.

Ansonsten würden die Prioritäten nicht im gemeinsamen Interesse liegen und dann funktioniere auch Work-Life-Blending nicht.

Ein Beispiel:
Das höhere Ziel eines Unternehmens: Der Gründer von Premium Cola, Uwe Lübbermann, hat mit seiner Idee, Cola in Form eines Kollektivs zu vertreiben und dafür nicht ein Unternehmen zu gründen, das höhere Ziel der „Gleichwürdigkeit“. Deshalb gibt es bei Premium Cola auch keine Mitarbeiter, keine Verträge, keine Führungskräfte, keine Büros. Alle werden gleich behandelt, jeder verdient das Gleiche. Nur wer hinter dieser Idee steht, ist bereit für Premium Cola zu arbeiten. Teilt ein Mitarbeiter dieses höhere Ziel nicht, ist er bei Premium Cola falsch.

Höhere Ziele geben dem Unternehmen seinen Sinn – die Antwort auf die Frage nach dem Wofür? Solche höheren Ziele von Unternehmen sollten die über bloße Gewinn-Maximierung hinausgehen, denn künftig werden sie noch wichtiger für die Entscheidung von Leistungsträgern, für welches Unternehmen sie arbeiten wollen. Ein Unternehmen mit einem sinnvollen höheren Ziel hat da weit mehr Chancen zu punkten.

Ein höheres Ziel von Mitarbeitern ist beispielsweise die eigene Gesundheit. Diese zu erhalten ist die Basis, um die eigene Existenz zu sichern und allen Verantwortungen gerecht zu werden.
Ein Unternehmen, dass nach dem Motto „Come in and burn out!“ operiert, teilt dieses höhere Ziel seines Mitarbeiters nicht und muss damit rechnen, dass der Mitarbeiter entweder erkrankt oder das Unternehmen verlässt. Work-Life-Blending funktioniert nach diesem Motto jedenfalls nicht. Da helfen auch kostenlose Latte Macchiatos, die Kuschel-Ecke, Happy Hour oder Massagen am Arbeitsplatz nicht.

Steht das Unternehmen jedoch hinter diesem höheren Ziel, dann können beide Seiten mit Work-Life-Blending dafür sorgen, dass beide ihre höheren Ziele erreichen. So wird Work-Life-Blending zu einem gemeinsamen Gewinn.
Sind die höheren Ziele klar, gilt als Voraussetzung für einen gelungenen Mix außerdem, dass Unternehmen und Vorgesetzte ihren Mitarbeitern vertrauen, ihnen Autonomie zugestehen und dass sie ihrer Fürsorge-Pflicht nachkommen.
Ist das gewährleistet, kann Work-Life-Blending gar nicht zum Fluch werden.

INFO
Was ist Work-Life-Blending?
Work-Life-Blending ist die Vermischung von Beruflichem und Privatem, die zulässt,
– dass Mitarbeiter am Schreibtisch private Angelegenheiten klären,
– flexible Arbeitszeiten nutzen können, um früher, später oder während der Arbeitszeit Privates zu erledigen
– dass Mitarbeiter mit mobilen Lösungen von unterwegs, z.B. auf dem Arbeitsweg im Zug oder von zu Hause arbeiten
Was ist Work-Life-Blending nicht?
Work-Life-Blending keine Erlaubnis für Unternehmen, über ihre Mitarbeiter rund um die Uhr zu verfügen und sie nur zu eigenen Gunsten auszunutzen.
Wozu ist Work-Life-Blending gut?
Für Mitarbeiter bietet Work-Life-Blending flexiblere Möglichkeiten, Beruf und Privatleben besser miteinander in Einklang zu bringen, sodass weniger Spannungen aufkommen, Stress reduziert wird, Zeit effizienter genutzt wird und Energie dort eingesetzt wird, wo sie benötigt wird. Mitarbeiter schonen so ihre Gesundheit.
Für Unternehmen bietet Work-Life-Blending den Vorteil, dass sich Mitarbeiter bewerben, denen flexible Lösungen wichtig sind, die gern selbstverantwortlich arbeiten, ihre Energien effizient einsetzen, motiviert und gesund sind.

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