Den A an die Wand!

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Mein Tipp für August.

Wussten Sie, dass das post-it nicht erfunden wurde, weil jemand dringend eines brauchte? Genauso wenig wie das Penicillin erfunden wurde, weil jemand krank war.

Beide Erfindungen basieren auf Fehlern:

Spencer Silver, der Ur-Vater des post-its, war eigentlich auf der Suche nach einem extra starken Kleber. Er gab irgendwann entnervt auf, weil seine Versuche bloß Substanzen mit geringem Klebeeffekt hervorbrachten. Den Nutzen erkannte erst sein Kollege, der im Kirchenchor sang und auf der Suche nach einer Möglichkeit war, Stellen in den Gesangsbüchern so zu markieren, dass man sie später wieder rückstandsfrei entfernen konnte – schließlich gehörten die Dinger der Kirche.

Alexander Fleming bewies eine Menge Fehler-Intelligenz: Als er nach der Rückkehr aus dem Urlaub die ruinierte Petri-Schale sah, hätte er sie ja genauso gut einfach in den Müll kippen können. Dass er sie untersucht hat, war das Glück von Millionen Patienten.

Diese Art von Glück nennt man Serendipity. Glücklicher Zufall. Das Finden von etwas Gutem, das man gar nicht gesucht hat. Hört sich bescheuert an? Ist aber höchst Fehler-intelligent!

Menschen mit hoher Fehlerintelligenz passiert oft Serendipity. Sie fokussieren nicht nur auf das, was sie suchen, sondern schauen auch rechts und links davon. Und wenn sie das nicht finden, was sie suchen, geben sie nicht frustriert auf oder anderen die Schuld. Sie schauen noch genauer hin, überdenken ihren Blickwinkel und ihre Bewertungen.

Anstatt sich zu ärgern, dass das Erwünschte wieder nicht eingetreten ist, fragen Entdecker sich: Was habe ich übersehen? Was habe ich bisher noch gar nicht richtig beachtet? Was habe ich bisher anders eingeschätzt? Wofür könnte das hier gut sein – auch wenn ich es gar nicht so wollte?

Das ist ein anderer Umgang mit Fehlern. Fehler werden nicht mehr als Niederlage betrachtet, sondern als Einladung genauer hinzuschauen: Wofür war das Ganze gut?

Das gilt für Einzelne genauso wie für Unternehmen: In Unternehmen mit einer konstruktiven Fehler-Kultur lauern Kollegen nicht darauf, dass der Neue in sein erstes Fettnäpfchen tritt oder ihm das Projekt um die Ohren fliegt. Wenn Ergebnisse nicht geliefert werden können, wird auch nicht eine Einzelperson verantwortlich gemacht. Stattdessen schauen alle hin und überlegen: Was ist das Gute daran?

Tatsächlich schauen in den meisten Unternehmen aber alle nur darauf, wer Schuld ist. Der erste Impuls ist immer, den eigenen A…. an die Wand zu bekommen und dann aufzuatmen, wenn jemand anderes zum Sündenbock erklärt wird. Hilfreich ist das nicht. In einer solchen Kultur werden viele Innovations-Chancen vertan, weil keiner auf die Idee kommt, dorthin zu schauen, wo keiner hinsieht.

Ich finde, es spricht Bände, dass man nie erfahren hat, wer in Alexander Flemings Labor die Petri-Schale versaut hat!

Hier können Sie die bisher in diesem Jahr erschienenen Tipps nachlesen

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Februar

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Foto: alphaspirit, Fotolia.com

 

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