Glaubwürdig führen

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Ohne Glaubwürdigkeit ist alles nichts. Wenn es einem Büroleiter jedoch gelingt, Glaubwürdigkeit aufzubauen, kann er die Beziehungen zu seinen Mitarbeitern verbessern. Wie er das erreicht, erklärt Kommunikationstrainerin Stefanie Demann.

 

Authentisch sein

Glaubwürdigkeit beschreibt im beruflichen Alltag die Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit des Büroleiters. Seine Glaubwürdigkeit nimmt zu, wenn es zwischen dem, was er sagt, und dem, was er tut, keine Widersprüche gibt. Wer im Mitarbeitermeeting beteuert, er würde alle Office-Worker gleichermaßen schätzen, dann aber „seinen Liebling“ protegiert, erleidet einen Glaubwürdigkeitsverlust, der negative Auswirkungen auf die Motivation und die Leistungsfähigkeit aller Office-Worker hat.

Neben dem authentischen Verhalten, bei dem es eine große Übereinstimmung zwischen Denken, Worten und Handeln gibt, spielen Verlässlichkeit, Integrität, Konsequenz, Ehrlichkeit und Vertrauen eine Rolle bei der Frage, wann eine Führungskraft von den Mitarbeitern als glaubwürdig wahrgenommen wird.

Natürlich: All dies sind große Worte. Doch Glaubwürdigkeitsaspekte wie Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Konsequenz und Vertrauen haben für den täglichen Umgang im Büro und am Arbeitsplatz sehr konkrete Folgen.

 

Verlässlich und konsequent handeln

Büroleiter mit hohem Verlässlichkeitsfaktor überlegen sich genau, welche Versprechungen sie machen – nämlich nur solche, von denen sie wissen, dass sie sie persönlich auch einhalten können. Bei Vereinbarungen, die sie nicht selbst beeinflussen können, weisen sie den Mitarbeiter dezidiert darauf hin: „Lieber Herr Mitarbeiter, ich werde mich bei der Geschäftsführung für Ihre Beförderung einsetzen. Das kann ich Ihnen versprechen und zusichern – ob mein Einsatz allerdings erfolgreich sein wird. liegt nicht allein in meiner Macht.“ Der authentische Büroleiter lässt seinen Worten Tagen folgen und verwendet sich für den Mitarbeiter. Eine Erfolgsgarantie darf und sollte er nicht abgeben.

Ein weiterer Aspekt ist das konsequente Handeln: Eine Führungskraft muss sich an die Regeln halten, die für die Mitarbeiter gelten – auch um die für die Glaubwürdigkeit so wichtige Vorbildfunktion ausüben zu können. Wer als Büroleiter darauf dringt, dass die Office-Worker bei ihrer Urlaubsgestaltung die Belange der Firma und des Arbeitgebers berücksichtigen, bei der eigenen Urlaubsplanung jedoch lediglich private Faktoren gelten lässt, landet in der Glaubwürdigkeits-Skala ganz weit unten.

 

Berechenbarkeit führt zu Vertrauen

Authentizität und Verlässlichkeit lassen das Verhalten des Büroleiters in den Augen der Office-Worker berechenbar erscheinen. Sie können darauf vertrauen, dass er sich so verhält, wie sie es aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit vermuten dürfen. Die Frage der Mitarbeiter: „Können wir uns in wesentlichen Dingen auf den Büroleiter verlassen?“, kann positiv beantwortet werden.

Um in der Wahrnehmung der Mitarbeiter einen möglichst hohen Glaubwürdigkeitsfaktor aufzubauen, sollte der Büroleiter sein eigenes Verhalten reflektieren und hinterfragen. Entscheidend dabei ist seine Fähigkeit zum Selbstcoaching – damit ist die Kompetenz gemeint, den inneren Coach mit der Zielsetzung zu aktivieren, sich persönlich weiterzuentwickeln.

Die Selbstreflexion über seine Kraftquellen und Energieräuber zeigt dem Büroleiter, in welchen Bereichen er Nachholbedarf hat, um seinen Glaubwürdigkeitsfaktor zu erhöhen und zu einem stimmig-authentischen Verhalten zu gelangen, das bei den Office-Workern zum Vertrauensaufbau führt.

 

Mit Selbstcoaching zu stimmigem Verhalten

Das Verhalten des Büroleiters muss also stimmig sein – und das ist der Fall, wenn es bei ihm keinen Widerspruch zwischen seinen Werten, Überzeugungen, seinen Fähigkeiten und Verhaltensweisen gibt. Der Büroleiter muss voll und ganz hinter dem stehen, was er sagt und tut. Der Weg zu mehr Kongruenz und Authentizität führt über ein Verhalten, das den eigenen Werten entspricht. Und genau das ist eine der Fragen, mit denen sich Selbstcoacher beschäftigen: Sie wollen sich im Reflexionsprozess Klarheit darüber verschaffen, was sie antreibt, welchen Werten sie sich verpflichtet fühlen und inwiefern es möglich ist, diese Werte im Berufsleben und im Privatbereich zu leben.

Darum beantwortet der selbstcoachende Büroleiter so existentielle Fragen wie: „Welche Werte sind für mich von lebenssteuernder Bedeutung? Was treibt mich an und macht mich zufrieden?“ In einem zweiten Schritt prüft er, inwiefern sich diese Werte in seinem Umfeld wiederfinden. Wenn ihm Werte wie Harmonie, Gerechtigkeit, Würde und Solidarität wichtig sind, diese Werte aber keine Relevanz für seine Lebenswirklichkeit haben, besteht die Gefahr der Selbsttäuschung. Vielleicht trägt er nur eine Maske, um den Erwartungen anderer zu entsprechen. Das wiederum liefe auf eine Täuschung der Mitarbeiter hinaus – kein stabiles Fundament für die Erhöhung des Glaubwürdigkeitsfaktors.

 

Glaubwürdigkeitsfaktor durch Kommunikationskompetenz erhöhen

In welchen Bereichen sich eine Führungskraft mithilfe ihrer Selbstcoachingkompetenzen weiterentwickeln sollte, um glaubwürdiger zu sein, ist wohl bei jedem Büroleiter anders ausgeprägt. Oft gibt es bei der Kommunikationskompetenz Defizite und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung: Da ist etwa der Büroleiter, der im Mitarbeitergespräch den Angestellten vor versammelter Bürobelegschaft kritisiert – und damit demotiviert. Oder die Führungskraft, die vergisst, dass der Mensch zwei Ohren und nur einen Mund hat, damit er doppelt so lange zuhören kann wie reden.

Selbstcoacher nutzen ihre Selbstreflexionskompetenz, um in möglichst jeder kommunikativen Situation zu einer lösungsorientierten Sprache zu finden. Dazu prüfen sie, ob ihre Sprache eher „erhaltend“ oder „zerstörend“ wirkt. Das heißt: Der Büroleiter bleibt nicht bei der reinen Problembeschreibung stehen, er beschränkt sich nicht darauf, lediglich zu lamentieren. Vielmehr klärt er ab, wie das Problem entstanden ist und wie es sich im Sinne der Mitarbeiter und des Büros oder Unternehmens lösen lässt.

Ein Beispiel: Im Büro gibt es immer wieder Schwierigkeiten bei den Terminabsprachen. Ein lösungsorientiert kommunizierender Büroleiter vermeidet Aussagen wie: „Dieses Problem bei der Terminabsprache tritt ständig auf. Es lässt sich wohl nicht lösen.“ Vielmehr fragt er: „Welche Voraussetzungen werden wir im Team gemeinsam schaffen, damit die Terminabsprachen reibungsloser verlaufen?“

Natürlich ist der zweite Satz der des Selbstcoachers, der mit Fingerspitzengefühl die Gedankenwelt des Gesprächspartners betritt, dessen Wahrnehmung der Wirklichkeit berücksichtigt und weiß, dass Problemlösungen immer dann möglich sind, wenn er sich deutlich ausdrückt und seine wahren Beweggründe nicht hinter einem Wortschwall verbirgt.

Und auf diese Weise punktet der Büroleiter auch enorm auf der Glaubwürdigkeitsskala.

 

Das Buch zum BeitragStefanie Demann: „Selbstcoaching für Führungskräfte. Standard oderSpitze? Selbstcoaching macht den Unterschied“, GABAL 2014, 216 S., 19,90 €.

 

Stefanie Demann, Kommunikationstrainerin, Vortragsrednerin, Business-Coach und Buchautorin. www.stefaniedemann.de

Dieser Beitrag ist erschienen im Büromagazin alex, Ausgabe 1/2015, S. 13-15

Foto: kantver, Fotolia.com

Bildunterschrift: Um den Büroleiter wird es einsam, wenn sich seine Überzeugungen und sein Verhalten widersprechen.