Der Trend geht zum Blend

By September 24, 2014Selbstcoaching
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In der Mischung von Work-Life liegt die Zukunft: Beim Joggen eine zündende Idee fürs nächste Meeting gehabt? Ist das jetzt Arbeit oder Freizeit? Nach dem Meeting kurz die Selfies von Freunden in Whatsapp bewundert? Ist das Freizeit oder Arbeit? Muss ich zündende Ideen beim Joggen auf später vertagen und im Büro beim Whatsappen ein schlechtes Gewissen haben? Für Selbstcoacher stellt sich diese Frage nicht. Denn Selbstcoacher suchen nicht die Balance zwischen „Work“ und „Life“.

Leben – auch bei der Arbeit
Um eine Balance hinzubekommen, müsste es ja ein Maß geben, mit dem sich Arbeit und Leben messen lassen. Aber welches sollte das sein? Work-Life-Balance versteht Arbeit und Leben als Pole, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, das leuchtet vielen ein. Selbstcoachern nicht. Sie wollen Vergnügen auch bei der Arbeit und erwarten nicht, dass das Privatleben immer nur lustig ist. Für Selbstcoacher ist Arbeit und Leben eins. Sie streben keine Balance an, sondern kreieren sich ihren persönlichen Work-Life-Blend, indem sie die Bereiche vermischen. Ihr Motto lautet: „Die Mischung macht’s.“ Für sie ist der Feierabend nicht die Sehnsucht des Tages und der Sommerurlaub das Highlight des Jahres. Der Grund: Sie betrachten die Arbeit nicht als fremdbestimmtes Tun gegen Bezahlung, sondern als einen wichtigen Baustein für ein mit Sinn erfülltes Leben.

Wie kreiert man den perfekten Blend?
Jeder Mensch entscheidet selbst, welche Mischung für ihn die richtige ist. Um einen gesunden Work-Life-Blend hinzubekommen, helfen diese sieben Blend-Regeln:

  1. Prioritäten bleiben konstant, damit eine Führungskraft nicht von den Prioritäten anderer überrannt wird. Selbstcoacher fragen sich: Was ist wirklich wichtig? Und handeln danach.
  2. Rechnen Sie stets mit Veränderungen auf den Ebenen unterhalb Ihrer Prioritäten und zeigen Sie sich dort flexibel, ohne Ihre Prioritäten zu verlassen.
  3. Selbstcoacher haben 168 Stunden pro Woche, um ihre Ziele zu erreichen. Was zählt, ist das Ergebnis, nicht, dass es zwischen neun und fünf erreicht wird.
  4. Selbstcoacher können gut Nein-Sagen. Ihr Fokus liegt auf ihren Prioritäten.
  5. Selbstcoacher sind gute Netzwerker. Sie wissen, bei wem eine Aufgabe besser aufgehoben ist, was das Nein-Sagen ungemein erleichtert.
  6. Transparenz ist Selbstcoachern ein wichtiger Grundsatz: Sie teilen sich mit und ihr Wissen großzügig mit anderen. Das stärkt wiederum ihr Netzwerk.
  7. Gesund leben: „Are you too busy to go to the restroom?” titelte kürzlich die Huffington Post. Selbstcoacher gehen achtsam mit sich um.

Vertrauen macht Sinn
Mehr als nach Geld und Status streben Selbstcoacher nach Eigeninitiative und Verantwortung, Kreativität und persönlicher Entwicklung. Ganz oben in der Liste steht Vertrauen. Selbstcoacher fordern Vertrauen. Vorgesetzte, die nach der Devise „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ führen, sind ihnen ein Gräuel. Für Selbstcoacher zählen Ergebnisse und nicht, wer am längsten im Büro hockt. Die IT-Branche ist da vielen anderen ein gutes Stück voraus. Denn dort haben Führungskräfte schon längst entdeckt, das nicht jeder Mitarbeiter zur gleichen Zeit auf die gleiche Art und Weise gleich produktiv ist. In vielen Unternehmen gibt es deshalb keine festen Arbeitszeiten mehr. Die Annahme: Nicht Anwesenheit fördert die Produktion, sondern der individuelle Einsatz des Einzelnen. Ausgenutzt werde das Vertrauen nicht, resümiert Cindy Lutz, Geschäftsführerin von Carsolution, die als erste Amtshandlung die Stechuhr abgeschafft hatte. Auch Ralph Linde, Leiter der Volkswagen Group Academy, und damit oberster Personalentwickler des Konzerns, kann nicht bestätigen, dass Mitarbeiter, die im Vorstellungsgespräch nach Auszeiten fragen, weniger ambitioniert seien. „Wenn sie da sind, sind sie auch wirklich da und klotzen richtig ran“, so Linde auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer.

Ranklotzen ohne auszubrennen
Das Verrückte daran ist: Selbstcoacher klotzen zwar richtig ran, aber sie brennen nicht aus. Dass sich Arbeit und Privatleben vermischen, bedeutet nicht, dass sie kein Privatleben mehr haben. Sie haben es nur anders. Wenn sie auf dem Laufband ein Gedankenblitz für das aktuelle Projekt trifft, winken sie nicht ab, sondern nutzen ihn, auch wenn sie nicht im Büro sind. Weil es sie erfüllt, etwas Sinnvolles zu tun. Sie trennen soziale Netzwerke im Internet nicht mehr nach beruflichen und privaten Kontakten. Sehen sie etwas beruflich Nützliches, teilen sie es, auch wenn sie schon Feierabend haben. Weil es ihnen sinnvoll erscheint. Sie nutzen nur ein einziges Smartphone anstatt noch ein Firmeneigenes mit sich herumzuschleppen. Dafür werfen sie auch einen Blick auf Nachrichten, die sie außerhalb des Büros erreichen. Ein Blend-Trend, auf den sich viele Unternehmer erst noch einstellen müssen.

 Dieser Beitrag ist im lob-Magazin erschienen, der Zeitschrift für berufstätige Mütter und Väter

Bild: A. Karnholz – Fotolia.com