Lösungssprache sprechen

By November 19, 2014Führung
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Erfolgreiche Praxisführung, zufriedene Patienten, motivierte Mitarbeiter: Sicherlich ist die Fachkompetenz des Parodontologen für diese Erfolgsliste entscheidend. Den Unterschied zwischen einer guten Führungskraft und der Top-Führungskraft jedoch macht die Fähigkeit zum Selbstcoaching.

Selbstreflexion als Kernkompetenz
Selbstcoaching – das ist die Kompetenz, den eigenen inneren Coach zu aktivieren, sich ständig selbst zu hinterfragen und das eigene Denken und Handeln zu reflektieren und zu verändern. Letztendlich geht es darum, sich kontinuierlich persönlich weiterzuentwickeln. Der Königsweg dorthin: Als Selbstcoacher befragt sich der Parodontologe, welche Entwicklungsbereiche für ihn besonders wichtig sind. Er analysiert seine Stärken und Schwächen bezüglich dieser Bereiche – und setzt die entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten und Einstellungs- und Verhaltensveränderungen in Gang (siehe Abbildung).

Der Vorteil: Parodontologen mit Stärken im Kompetenzfeld „Selbstreflexion“ sind besser in der Lage, ihre Stärken zu nutzen und Schwächen abzubauen. Denn Selbstcoacher beobachten ständig ihr Umfeld, legen ihr Tun und Denken unter die kritische Lupe und reflektieren Entscheidungen selbstkritisch.

Reflexions-Sparringspartner suchen
Das eigene Potential entfalten ist eine lebenslange Aufgabe für Selbstcoacher. Nur wer seine Potentiale kennt, kann es optimal einsetzen. Natürlich schadet es nicht, wenn Sie in diesen Prozess andere Menschen einschalten – aus dem privaten und vielleicht auch aus dem beruflichen Umfeld. Es muss ja nicht unbedingt Ihr Mitarbeiter sein, der Sie nun auf Ihre Schwachpunkte und Entwicklungspotentiale hinweist. Obwohl es vielleicht gerade der langjährige Mitarbeiter ist, der diese Potentiale gut beurteilen kann.

Noch besser geeignet zu Reflexions-Sparringspartnern sind die Kollegen: Warum also nicht beim Parodontologen-Stammtisch die Frage diskutieren, welche Schwächen und Stärken Sie in der Wahrnehmung von Menschen haben, die in ihrem beruflichen Umfeld mit ganz ähnlichen Problemen, Herausforderungen und Ärgernissen beschäftigt sind wie Sie?

Kommunikationskompetenz: Viel Luft nach oben
In welchen Bereichen Sie sich mithilfe Ihrer Selbstcoachingkompetenzen weiterentwickeln sollten, ist eine höchst individuelle Angelegenheit und wohl bei jedem Parodontologen anders ausgeprägt. Eventuell jedoch deckt sich Ihre Erfahrung mit der Erkenntnis, dass viele Parodontologen, oder Ärzte im Allgemeinen, zwar über hervorragende medizinische Fachkompetenzen verfügen – wie sollte es auch anders sein. Entwicklungspotentiale gibt es allerdings häufig im kommunikativen Bereich.

Sie wollen Beispiele? Da ist der Parodontologe, der im Fachjargon schwelgt und den Patienten darüber vergisst, weshalb dieser nur noch „Bahnhof“ versteht und sich nicht ernst genommen fühlt. Da ist der Kollege, der im Mitarbeitergespräch den Angestellten vor versammelter Belegschaft kritisiert – und damit demotiviert. Und da ist der Zahnarzt, der sich im Kongressaal wähnt und vor dem Patienten Vorträge hält – und darüber vergisst, dass der Mensch zwei Ohren und nur einen Mund hat, damit er doppelt so lange zuhören kann wie reden.

Erkennen Sie sich in den Beispielen ein wenig wieder? Selbstcoacher wissen von der Macht der Sprache und nutzen ihre Selbstreflexionskompetenz, um in möglichst jeder kommunikativen Situation zu einer Lösungssprache zu finden.

Selbstcoacher nutzen lösungsorientierte Sprache
Sprache funktioniert oft wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: „Ich kann das nicht“, „Das geht garantiert schief“ oder „Das hat doch noch nie geklappt“. Selbst wenn Sie Worte nur denken, bringen Sie die Sache schon ins Rollen: in die eine oder die andere Richtung. Als Führungskraft führen Sie auch mit Sprache. Und als Parodontologe bewegen Sie Patienten auch mit Ihrer Sprache – bei sensiblen oder ängstlichen Patienten etwa kann es vorkommen, dass ein unbedachtes Wort von Ihnen Ängste auslöst, durch die der Behandlungserfolg in Frage gestellt wird.

Darum ist es wichtig, mit den Menschen – mit Mitarbeitern und Patienten – strikt lösungsorientiert zu kommunizieren. Um ein Extrembeispiel zu wählen: Was glauben Sie, für welche Bestrahlung sich ein Patient im Krankheitsfall entscheidet: die Bestrahlung, bei der 10 Prozent des Gewebes zerstört werden, oder die, bei der 90 Prozent des Gewebes erhalten bleiben? Die Bestrahlung ist in beiden Fällen dieselbe. Aber das problemorientierte Wort „zerstören“ hat eine völlig andere Wirkung als der lösungsorientierte Begriff „erhalten“.

Motivierend kommunizieren
Als Selbstcoacher sollten Sie Ihren Sprachgebrauch reflektieren und prüfen, ob Ihre Sprache – in Anlehnung an das Bestrahlungs-Beispiel – eher „erhaltend“ oder „zerstörend“ wirkt. Bleiben Sie nicht bei der reinen Problembeschreibung stehen, beschränken Sie sich nicht darauf, lediglich zu lamentieren. Klären Sie vielmehr ab, wie das Problem entstanden ist und wie es sich lösen lässt.

Ein Beispiel: Wie verhalten Sie sich im Mitarbeitermeeting? Sagen Sie: „Dieses Problem bei der Terminabsprache tritt ständig wieder auf. Es lässt sich wohl nicht lösen.“ Oder sagen Sie: „Welche Voraussetzungen werden wir im Team gemeinsam schaffen, damit die Terminabsprache reibungsloser verläuft?“

Natürlich ist der zweite Satz der des Selbstcoachers, der sensibel und mit Fingerspitzengefühl die Gedankenwelt des Gesprächspartners betritt, dessen Wahrnehmung der Wirklichkeit berücksichtigt und weiß, dass Problemlösungen immer dann möglich sind, wenn er sich klar und deutlich ausdrückt und seine wahren Beweggründe nicht hinter einem Wortschwall verbirgt.

Wertschätzend kommunizieren
Das Gespräch mit den Patienten stellt Sie vor besondere kommunikative Herausforderungen. Wenn Sie lösungsorientiert kommunizieren wollen, sollten Sie:

  • trainieren, auch komplexere Informationen in einer verständlichen Sprache darzustellen,
  • den Patienten ermutigen, wo immer möglich Fragen zu stellen,
  • sicherstellen, dass der Patient alles versteht und nachvollziehen kann; stellen Sie Verständnisfragen wie: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie …?“,
  • den Patienten deutlich spüren lassen, dass er für Sie jetzt in diesem Moment der wichtigste Mensch auf der Welt ist. Dies sollte in jeder Ihrer Aktivitäten und Äußerungen zum Ausdruck kommen.

Fazit

Für Ärzte ist es oft schwierig, sich auf den Gesprächspartner einzulassen, weil sie gedanklich vielleicht schon beim nächsten Patienten sind. Die Kunst besteht darin, sich trotzdem zu fokussieren und auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren – und den Menschen, mit dem sie gerade zu tun haben. Vergegenwärtigen Sie sich stets die Einzigartigkeit und Individualität des einzelnen Patienten und Mitarbeiters. Die Steigerung Ihrer Selbstcoachingkompetenz hilft Ihnen dabei.

 

Dieser Beitrag ist erschienen in der Fachzeitschrift „Praxismanagement“

Bild: adam121 – Fotolia.com