Lolli-Chef, nein danke!

By September 14, 2015Selbstcoaching
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„Wer will schon einen wachsweichen Lolli als Chef?“

Standort38.de hat der Wolfsburger Autorin Stefanie Demann Passagen aus ihrem neuen Buch „Selbstcoaching für Führungskräfte“ vorgelegt und genauer nachgefragt

 

Wie erkenne ich, ob ich das Zeug zur Führungskraft habe?

Stefanie Demann: Indem Sie es wollen. Was für eine Führungskraft dann aus Ihnen wird, hängt davon ab, wie groß Ihre Bereitschaft ist, sich immer weiterzuentwickeln. Führungskompetenz ist ja nicht angeboren, sondern erlernbar.

 

„Selbstcoaching bedeutet, den eigenen inneren Coach zu aktivieren.“ Wo versteckt der sich eigentlich und was hat der eigene Coach einem externen voraus?

Demann: Während wir wie die Maus vor der Schlange auf unser Problem starren, schaut unser innerer Coach dahin, wo die Lösungsmöglichkeiten sind. Dabei versteckt er sich gar nicht. Wir übersehen ihn einfach, indem wir unsere eigene Lösungskompetenz missachten. Ein externer Coach hingegen kennt die Lösung nicht und es ist auch nicht seine Aufgabe, Lösungen zu präsentieren. Als Coach wende ich mich immer an den inneren Coach meiner Kunden, um den Fokus vom Problem hin zu einer Lösung zu verschieben. Das hat sich als sehr effektiv herausgestellt und liefert nicht nur schnell, sondern auch tragfähige Ergebnisse.

 

Einer neuen Führungskraft empfehlen Sie eine Art Regierungserklärung an die Mitarbeiter. Was sollte darin auf keinen Fall fehlen?

Demann: Eine solche Regierungserklärung dient dazu, sich die Unterstützung der Mitarbeiter zu sichern. Mitarbeiter unterstützen ihren Chef nur, wenn sie ihm vertrauen. Vertrauen gewinnt man, indem man erklärt, was man vorhat. Mitarbeiter denken viel mehr mit, als manche Chefs es sich träumen lassen. Sie wollen keine Befehlsempfänger sein, sondern sie wollen die Zusammenhänge verstehen. Dazu gehört auch das Führungsverständnis: Wie werden wir künftig geführt und was erwartet die neue Führungskraft von uns? Wer sich darüber ausschweigt, braucht sich nicht zu wundern, dass ihm die Leute nicht folgen.

 

„Der Chef als Freund der Mitarbeiter – vergessen Sie´s!“ Wie viel Einsamkeit müssen Führungskräfte aushalten?

Demann: Führungskräfte brauchen Freunde, so wie jeder Mensch. Sie sollten sie nur nicht unbedingt unter ihren Mitarbeitern suchen. Je höher eine Führungskraft steigt, umso weniger Gleichgesinnte umgeben sie. Ob sie sich dabei einsam fühlt, hängt von ihrer Erwartung ab, am Arbeitsplatz von den besten Freunden umringt zu sein.

 

„Nur Sie wissen, was für Sie richtig ist!“ Klingt simpel, Coachingsprech eben. Aber wie finde ich denn konkret heraus, wohin die Reise für mich gehen soll?

Demann: Das Bild der Reise passt hervorragend zum Selbstcoaching. Das Beste daran ist, dass man nichtmal losfahren muss: Es genügt völlig, in Gedanken zu reisen. Selbstcoacher stellen sich alles Mögliche vor, beispielsweise wie sie die Abteilung leiten. Jede Vorstellung ruft Gefühle hervor und die sind gute Wegweiser, ob etwas als erreichbares Ziel taugt oder nicht.

 

„Wenn der Vertriebschef doch nicht so ein inkompetenter Esel wäre.“ Was tun, bei Frust über Kollegen oder Vorgesetzte?

Demann: Hoffen, dass der andere merkt, wie sehr er mich nervt und dann mir zuliebe damit aufhört (lacht). Im Ernst: Es ändert sich solange nichts, bist du es tust. Meistens gibt es mehrere Möglichkeiten einen Zustand zu verändern. Der erste Schritt für Selbstcoacher ist immer die Frage: Wie hätte ich es denn gern? Eine solche Frage generiert mehr sinnvolle Antworten, als wenn ich mich Nächtelang über andere aufrege.

 

„Die Aufgabe als Führungskraft ist die Hilfe zur Selbsthilfe.“ Delegieren und moderieren ist also wichtiger als selbst Probleme zu lösen?

Demann: Führungskräften fällt es manchmal schwer zu unterscheiden zwischen Problemen, die die Mitarbeiter selbst lösen können (wütende Kunden, unzuverlässige Lieferanten, inkompetente Agenturen), und Führungsaufgaben (zum Beispiel bei Kompetenzgerangel, Problemen mit anderen Abteilungen, Konflikten im Team und Mobbing). Einige tendieren dazu, sich für alles verantwortlich zu fühlen, während andere die Mitarbeiter sich selbst überlassen, obgleich eine Führungsentscheidung gefragt ist.

 

„Das Modell Feelgood: Müssen Führungskräfte Softies werden?“ Gute Frage…was denken Sie?

Demann: Bei dem Wort „Softie“ schüttelt es mich! Wer will schon einen wachsweichen Lolli als Chef? Aber ein bisschen mehr Gefühl im Geschäft darf es heute schon sein. Wer glaubt, dass Business rational ist und Emotionen ins Privatleben gehören, ist auf dem Hirnforschungsstand der 70er Jahre stehengeblieben. Das Stichwort hier lautet: Empathie. Nicht nur Führungskräfte tun gut daran, zu reflektieren, was ihr Verhalten bei anderen bewirkt.

 

„Warten Sie lieber nicht darauf, dass andere merken, wie toll Sie sind…“ Warum fällt es uns eigentlich so schwer Eigen-PR zu betreiben?

Demann: Für sicherheitsorientierte Menschen ist hervorzuragen zu sehr mit dem Risiko verbunden sich zu blamieren. Perfektionisten sind der Meinung, man müsste der Beste sein, um überhaupt für sich werben zu dürfen. Gerechtigkeitsliebende, aufrichtige Menschen wiederum wollen nicht so werden wie die Schaumschläger, denen sie schon begegnet sind. Eigen-PR hat aber nichts mit Schaumschlägerei zu tun. Man muss auch keineswegs erst einen Nobelpreis gewinnen, um den eigenen Wert zu zeigen. Allerdings: Sich zu exponieren ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Aber trifft das nicht auf so ziemlich alles zu, was wir tun?

 

„Passt Ihre innere Haltung nicht zur Unternehmenskultur gehen Sie irgendwann kaputt.“ Wo liegen die Grenzen der Zumutbarkeit – ein bisschen Frust ist doch normal, oder?

Demann: Was für den einen eine Zumutung ist, belächelt der andere als das bisschen Frust, das eben dazugehört. Mit Selbstcoaching definiert jeder die Grenze seiner Zumutbarkeit selbst.

 

„Einige Neider und Stühlesäger werden hinter vorgehaltener Hand über Sie lachen?“ Warum sollten wir trotzdem keine Angst vor persönlichen Veränderungen haben?

Demann: Das Paradox ist doch, dass man sich ständig verändern muss, nur um annähernd der Gleiche zu bleiben. Unsere Umwelt wandelt sich ständig und wir mit ihr. Weniger philosophisch ausgedrückt: Veränderung ist so oder so unausweichlich. Glücklicherweise können wir uns jederzeit dafür entscheiden, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Sobald wir die Zügel in den eigenen Händen halten, können wir mit den Reaktionen anderer Menschen viel gelassener umgehen.

Das Interview führte Holger Isermann, Braunschweiger Zeitung für Standort38.de. Sie können es hier nachlesen.

Bild: Hayati Kayhan, katebackdrop