Rhetorik und Manipulation

Stefanie Demann, Brigitte Symposium 2017, Selbstcoaching, Trainerin, Keynote, Vorträge, Wolfsburg

„Machen Sie doch mal ein Seminar wie ich andere am besten manipulieren kann“, forderte mich neulich ein Teilnehmer auf.

Gerade treffe ich die letzten Vorbereitungen für den „Tag der Betriebsrätin“ und meine Fahrt nach Köln. Bis Freitag werde ich auf dem Kongress vier Rhetorik-Workshops halten: „Nie wieder Fusseln im Mund! Rhetorik fast ohne Technik“

Darin wird es inbesondere darum gehen, dass gutes Reden sehr viel mit dem zu tun hat, wie wir mit uns umgehen wollen, mit anderen und was wir als Redner zu einem guten Miteinander beitragen wollen.

Genauso wie Selbstcoacher sich damit beschäftigen, wie sie besser werden (nicht im Sinne von Selbstoptimierungs-App-Anwendung!) im Umgang mit sich und anderen und wie sie der Welt allgemein begegnen wollen, geht es auch in der Rhetorik: Wer gut reden will, verschafft sich als Erstes Klarheit darüber, wie es im Oberstübchen tickt: Wie denke ich über mich? Was halte ich von anderen? Wie begegne ich der Welt?

Für viele kommt das überraschend. Dabei ist es keineswegs neu. Schon im ersten Semester meines Studiums ging es um das Ethos des Redners als Quelle der Überzeugungskraft. Aristoteles‘ Ethos meint die Haltung des Redners. Heute würde man wohl sagen: die mentale Ebene, die innere Einstellung.

Ich glaube, ohne Selbstreflexion geht gar nichts, wenn man gut reden will. Rhetorik ist eben nicht nur die Anwendung von ein paar Tricks und das Antrainieren von Techniken (daher der Untertitel der Workshops). Ich kann meine Rede von einem Profi schreiben lassen, die Hände noch so perfekt halten und meine Stimme schulen – wenn die innere Haltung nicht stimmt, kann ein Redner nie wirklich überzeugend sein.

Vielleicht sind Sie so jemandem schon mal begegnet: Äußerlich alles tippitoppi, eloquent ohne Ende, charmant bis zum Anschlag – aber irgendwie wurden Sie trotzdem misstrauisch, irgendwas stimmte mit dem oder der nicht.

Ich behaupte, da stimmte etwas mit der inneren Haltung des anderen und dem, wie er oder sie sich präsentiert hat nicht, irgendwas war nicht stimmig und Sie haben das gemerkt. Obwohl Sie vielleicht nicht genau sagen können, woran. Aber Ihr Gehirn hat es wahrgenommen.

Mit Manipulation kann man bestimmt erfolgreich sein, ganz sicher sogar. Nachhaltig ist es bestimmt nicht. Ich setze lieber auf nachhaltige Rhetorik und Überzeugung anstatt Manipulation und Überredung. Dass die Grundlagen der Alten Rhetorik immer noch gültig sind, bestärkt mich darin. Deshalb wird es vor mir kein Seminar zu rhetorischer Manipulation geben.

Foto: Copyright Franziska Krug Getty Images

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