Was haben Günther Jauch, Stefan Raab, Anke Engelke und Barbara Schöneberger gemeinsam?

Stefanie Demann, Selbstcoaching, Wolfsburg, Vortrag, Seminar, Du kannst dich mal gern haben

Genau, sie sind alle Moderatoren im deutschen Fernsehen. Aber das ist nicht alles. Wusstet ihr, dass sie alle erst auf Umwegen zu ihren Traumjobs gekommen sind?

Günther Jauch hat erst Jura studiert, wechselte dann an eine Journalistenschule, wurde Sportredakteur und studierte gleichzeitig Politik und Geschichte, aber nicht zu Ende.  Stefan Raab hat ebenfalls eine Zeitlang Jura studiert und außerdem eine Metzger-Lehre im elterlichen Betrieb gemacht. Anke Engelke hat ihr Anglistik-, Romanistik- und Pädagogik-Studium abgebrochen. Und Barbara Schöneberger hat Soziologie, Kommunikationswissenschaften und Kunstgeschichte geschmissen.

In den Wolfsburger Nachrichten steht heute zum Thema Berufsorientierung: „Wer sich falsch entscheidet, verliert nicht nur wertvolle Zeit, sondern – viel schlimmer – sein Lebensglück.“

Also bitte, so ein Quatsch.

Diese Einstellung halte ich für wenig hilfreich. Damit werden Schüler höchstens verunsichert. Die Folge: Sie schieben das Thema erst Recht vor sich her. Verständlich, mit dieser Einstellung wird die Verantwortung für das eigene Leben zum Alptraum. Schließlich ist es eine praktisch unlösbare Aufgabe, die richtige Entscheidung zu treffen.*

Die IHK Braunschweig fordert, die Berufsorientierung zu verbessern. Gute Idee! Denn Berufsorientierung ist an sich nichts Schlechtes, im Gegenteil: Gut gemacht, kann sie viel Frust vorbeugen. Bei allen Beteiligten: Bei den Schülern, die sich überfordert fühlen. Bei Azubis, die schon nach kurzer Zeit merken, dass sie in diesem Unternehmen oder Beruf falsch sind. Auf Seiten der Studenten, die sich dieses Studium nicht so theoretisch vorgestellt hatten. Und natürlich auf Seiten der Unternehmen, für die es eine Investition ist auszubilden und bei denen jeder Abbrecher eine Lücke hinterlässt.

Jeder kennt ihn: den Gang ins Biz, dem Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit. Dort soll Berufsorientierung stattfinden. Idealerweise so, dass Schüler hinterher wissen, was sie werden wollen. Naja, ich kann mich daran auch noch erinnern, lang lang ist’s her. Hätte ich mich nach dem Testergebnis gerichtet, wäre ich heute Pathologin – igitt! Eine Mitschülerin bekam als Ergebnis „Stukkateurin“. Was das ist? Konnte ihr damals auch niemand erklären. Heute ist klar: Kein Beruf mit Zukunft.

Überhaupt, wie soll das auch gehen: Du füllst einen Fragebogen aus und anschließend spuckt das System den Beruf aus, der zu dir passt. Da sollte jeder einigermaßen vernunftbegabte Mensch misstrauisch werden.

Abgesehen davon, dass kein Mensch heute weiß, welche Berufe es künftig geben wird. Berufe, von denen wir uns heute keine Vorstellung machen. Wer hätte schon gedacht, dass YouTuber ein Beruf ist?!

Gab es vor Jahrzehnten eine überschaubare Anzahl Berufe, so hat sich das Ausbildungsangebot heute zu einem schier undurchdringlichen Dschungel entwickelt. Allein die Studienangebote einer kleineren Fachhochschule lassen einen heute schwindeln.

Wie soll ein junger Mensch bei einer derartigen Auswahl die richtige Entscheidung treffen?

Ich finde: am besten gar nicht.

Wenn du nämlich nach der einen wirklich wirklich richtigen perfekten Lösung suchst, wird die Suche mindestens Angst einflößend, mit Sicherheit aber frustrierend. Sobald du aber davon ausgehst, dass es eine Menge Möglichkeiten für dich gibt, findest du ganz sicher mindestens eine davon.

Gute Berufsorientierung fängt daher immer mit der Person an und nicht mit dem Arbeitsmarkt:

  • Was magst du, was nicht?
  • Was machst du gern, was nicht?
  • Was ist dir wichtig, was weniger?
  • Wie tickst du?
  • Was sind deine Stärken?
  • Wie schätzt du dich selbst ein? Was sagen andere?

So verschaffen sich Schüler mehr Klarheit darüber, wer sie sind, wofür sie sich begeistern können und was sie wollen. Erst danach kommt der zweite Schritt, die Komplexität der Ausbildungsangebote zu strukturieren, zu filtern, zu reduzieren. Eine gute Berufsorientierung führt am Ende zu einer Entscheidung, ja, aber richtig ist sie nur dann, wenn sie sich vom Anspruch verabschiedet, endgültig zu sein.

Ich wette, weder Günther Jauch noch Stefan Raab, Anke Engelke oder Barbara Schöneberger würden ihr berufliches Vorleben als vertane Zeit oder Unglück bezeichnen.

Mehr über mein Angebot zur Berufsorientierung findest du hier

* Bitte alle mal melden, die heute noch genau das tun, wofür sie sich nach der Schule entschieden haben 🙂

 

Bild: Coloures-pic, Fotolia